Dienstag, 8. Mai 2012

AuPair-Aktuell – oder: Mission impossible


Es ist 15:45 Uhr. Eigelicht türmt sich mein Schreibtisch hier in der Agentur unter der Last der Schmierzettel, Akten und unfertiger Dokumente. Meine Kinder kommen gleich von der Schule nach Hause und sind startklar für den Geburtstagsmarathon: morgen Clio, übermorgen Clara. Jedes Jahr eine Ausnahme-Woche im Hause Borgers.

Aber ich muss das jetzt mal los werden.

Was ist nur in der Zeit meines Urlaubs (April) hier in Deutschland passiert? Sind die Menschen hier mit einer Art Nervengas vergiftete worden, so dass sie jetzt ihre Beziehungen untereinader vergiften? Leute, es ist Mai!!! Das ist nicht der typische Monat für soooo viele Kündigungen und Wechsel im AuPair-Geschäft. Noch nie - seit 10 Jahren nicht - hatte ich so viele Gastfamilien und AuPairs die miteinander unzufrieden sind. Das erschreckende ist, dass mir scheint, dass sie sich nicht verstehen! Nein, das hat nichts mit den Sprachkenntnissen zu tun. Sie verstehen sich nicht, weil sie sich nicht zuhören, sich nicht die Zeit nehmen zum Zuhören, sie aus Bequemlichkeit auf Empathie verzichten.

Die Gastfamilie von heute will ein AuPair, dass perfekt funktioniert (verständlich), alles sofort versteht (unmöglich), mit den Kindern auf einer Wellenlänge ist (was oft selbst die Mütter nicht schaffen), gleichzeitig aber den Kindern Grenzen setzt (was fast immer die eigenen Mütter nicht schaffen [ich denke da nur an meine Freundin Sandra, deren Fotostudio regelmäßig von kleinen Prinzessinnen und Prinzen auseinandergenommen wird und die Mutter sieht beiläufig lächelnd  drüber hinweg]). Sie wollen ein AuPair, das Wäsche waschen kann (ist doch klar, dass es Wäsche für 30 Grad gibt, für 40, 50, 90, kalt und handwarm, mit Perwoll und mit Bleiche, linksgedreht und rechtsgedreht,…), auf Induktion am Herd reagiert, und die preußische Pünktlichkeit in ihrem asiatischen Blut hat.

Die AuPairs haben schon bei Ankunft am Frankfurter Flughafen die Definition von „AuPair“ vergessen, sowie die Deutschkenntnisse, und mit dem ersten Schluck des deutschen Wassers ihre Anforderungen in erschreckende Höhen geschraubt: Apartment in der City, W-Lan, Laptop, Intensivkurs, Taxiservice,… Die Kinder sind ihnen zu agil, zu frech, zu laut, die Gasteltern zu selten da, zu oft da, das Klima zu kalt, die Straßen zu sauber, die Wege zu weit, die Uhren zu präsent, die Arbeit zu viel.

Übertrieben? Ne, leider nicht.

Mein Job ist es: Beide Seiten wieder runterzufahren und sie miteinander zu verbinden. Härter denn je.

(Auf dem Foto [analog] seht ihr eines unser damaligen AuPairs Lucie – sie hat mich in den Wahnsinn getrieben ;-), aber sie war eine der Besten für meine (damals nur eine) Tochter. Und darum geht es doch, es geht um unsere Kinder, und nicht um unsere persönlichen Erwartungen)

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