Dienstag, 17. April 2012

Investitionen – oder: Reisen bildet


Die meisten Eltern, uns eingeschlossen, versuchen ihre Kinder auf das Leben nach dem Auszug aus dem elterlichen Heim vorzubereiten. Die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Worauf bereiten wir die Kinder vor? Wir haben doch keine Ahnung wie die Welt sich zu dem gegebenen Zeitpunkt drehen wird? Können wir es dann überhaupt richtig machen? Können wir aus der heutigen Situation auf die Situation später schließen?
Nun, ich halte mich natürlich für unglaublich weitsichtig, belesen und klug. Ich bin, so wie viele Mütter, die es „gut meinen“, der festen Auffassung, ich könnte den Pulsschlag der Welt dekodieren und heute schon wissen, was meine beiden Töchter in zehn Jahren erwartet. Aus diesem Grund schleifen wir unsere Kinder quer über den Globus, denn: Reisen bildet, erweitert den Horizont und befreit von Ängsten. Bei allem Spaß ist es mir damit eigentlich wirklich ernst. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wenn wir unseren Kindern zeigen, dass der Globus eigentlich recht überschaubar groß ist und dass es auf jeder Seite vom Äquator Menschen gibt, die essen, schlafen und auf Toilette gehen, sie für ihre berufliche Zukunft viel besser gewappnet sind. Ich hoffe, dass wir ihnen so die Angst nehmen, wenn nötig die deutsche Sprachregion zu verlassen und einen Traumjob in einer anderen Zeitzone anzunehmen. Ich hoffe, dass es in ihrem Leben darum gehen wird WAS sie machen und ob es sie ZUFRIEDEN macht und nicht darum WO sie es machen. Die Weltkarte bietet doch viel mehr Jobangebote als die Landkarte der Bundesländer.
Und so ziehen wir in unseren Urlaubszeiten unsere Töchter mit uns auf Vulkane, auf Dünen, auf Tempel und auf Wolkenkratzer; wir fliegen Meilen, fahren Kilometer und laufen Stunden unter kindlichem Protest; sind als Eltern hochmotiviert, ständig in Bewegung, wollen alles zeigen und greifen ohne Zögern mit der festen Gewissheit in die Tasche, dies sei genau die richtige Finanz-Anlage - die Zukunft unserer Kinder im Visier. Und was sagt die Brut dazu? „Mensch, Mama, ich will doch nur ein paar Tage nichts tun in den Ferien. Einfach chillen!“


Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    1. Liebe Freundin Uli – so weit weg von mir,

      da kann ich Dir nur beipflichten in allen Punkten und auch selbst gleich punkten: Wir besitzen in unserem Wohnzimmer noch einen antiken Fernseher, den wir seit unserer Studizeit haben. Du kennst ihn also noch. Er läuft und läuft und läuft.

      Spaß bei Seite: Es ist wichtig den Kindern zu zeigen, welche Vielfalt und Schönheit es auf der Erde gibt und sie darauf hinzuweisen was bedroht oder bereits verloren ist.

      Ich werde mir die Vorschau auf euren Film sehr gern ansehen und melde mich dann bei Dir. Habe gestern gesehen, dass Du auf Skype online warst, aber ich habe derzeit so viel Arbeit nach dem Urlaub, dass ich noch keine Zeit für ein Schwätzchen hatte. Wird nachgeholt!
      Bussi,
      Lene

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  2. Liebe Lene, ich finde es klasse, dass du deinen persönlichen Blog angefangen hast und wünsche dir viel Spass.
    Da hast du gleich ein wichtiges Thema angepackt, zu dem ich wenn auch nur kurz kommentieren möchte. Ich teile deine Meinung den Kindern zu zeigen das die Erde tatsächlich rund ist und von so vielen unterschiedlichen Menschen bewohnt, bevölkert und bereichert wird durch ihre Identität und Kultur, und dennoch haben wir die ganz banalen Tätigkeiten gemeinsam. Was uns aber darüber hinaus verbindet und das ist mir sehr wichtig, zu verstehen, dass diese Erde- ich nennen sie lieber 'Mutter Natur' oder 'Gaia' uns ein Leben erst ermöglicht durch die Resourcen wie Wasser, Luft, Erde, Sonne- kurz ein lebensfähiges Klima, welches wir heute für selbstverständlich nehmen, und für die wir so wenig mit Geld zahlen, aber werden wir diese Erde unseren Kindern so weitergeben können in 10 oder 50 oder gar 100 Jahren? Ich werde da oft ganz traurig, wenn ich sehe, wie wir dem Konsum verfallen, der so viele Resourcen verschluckt. Zum Beispiel das neues Fernsehen oder das nächste Smartphone. Wo landen die alten Geräte? Zum Beispiel in Indien, wo Menschen, die genauso einen gewissen Wohlstand erreichen möchten wie wir, diesen elektronischen Schrott vor ihrer Haustür auf offenem Feuer verbrennen, wobei giftige Gase entstehen und die Menschen über Jahre krank macht. Dann werden die seltenen Erden wie Gold im Fluss ausgewaschen, wie Goldgräber nur das diese seltenen Erden viel teurer auf dem Weltmarkt gehandelt werden als Gold, weil sie so selten und vor allem nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Nein, sie werden in Bergwerken aus der Erde abgebaut wo sie nicht nachwachsen! Und oft unter unmenschlichen Bedingungen für die Bergarbeiter, die wiederum nur eine minimale Entlohnung bekommen. Es ist also ein Teufelskreis, den wir in mit unserem Konsum in Gang halten. Es gibt viele weitere Beispiele wie zum Beispiel die Produktion und Entsorgung unser nächsten Sommerkollektion. Ich dachte bis vor kurzem das ich circa 10l Wasser am Tag im Haushalt verbrauche, nun aber sind es aber genau genommen 5.000l Wasser jeden Tag-der ökologische Footprint. Es steckt in einer Tasse Kaffee 140l Wasser ( Anbau von Kaffee hauptsächlich), 40l im Salat…und 1 Jeans verschluckt gar 11.000l Wasser in der Produktion von Baumwolle…

    Zeigen wir unseren Kinder auch diese Seite? Sie gehört meiner Meinung genauso dazu wie die wunderbare Vielfalt in der wir leben, die ich ihnen auf Reisen aber auch vor der eigenen Haustür zeigen kann ( und ich schätze mich glücklich!). Ich werde nicht fatalistisch, sondern wünsche mir mehr Klarheit darüber, wie du und ich heute leben im Zusammenspiel mit der Natur überall auf dieser Welt, mit der wir untrennbar verbunden sind wie über eine Nabelschnur. Es ist eine Abhängigkeit, die wir ignorieren, weil wir ja so weise, so schlau und erwachsenen geworden sind über die vielen Generationen. Begreifen wir diese Verbundenheit? Respektieren wir Gaia? Oder sollten wir uns nicht von unseren Kindern entschleunigen lassen und einfach ein paar Tage gemütlich chillen?

    http://www.youtube.com/watch?v=jIJOOfOpUYs
    http://levelk.dk/index.php/2011-11-22-14-27-48/rio-20-a-new-world

    Vorschau auf den Dokumentarfilm, den wir anläßlich der UN Rio+20 Konferenz im June diesen Jahres veröffenbtlichen.

    Freue mich auf weitere Blogs von dir!
    Alles Liebe
    Deine Ulrike

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