Freitag, 20. April 2012

Wochenende – oder: Ich kann nicht anders


Das traditionelle Wochenende, an dem man nicht seiner beruflichen Arbeit nachgeht, kenne ich schon ungefähr 2 Jahren nicht mehr. Das Wochenende ist bei mir eine Zeit, in der die Kinder im Haus sind, und nicht in der Schule, und mein Mann das Bad besetzt, obwohl er weiß, dass ich eine Kinderblase habe. Diese drei haben also ein mehr oder weniger traditionelles Wochenende. Ich irgendwie nicht.

Neulich habe ich mit Uwe darüber gesprochen. Es ging darum, wie schnell die Zeit vergeht und dass ja bereits Donnerstag sei und das Wochenende vor der Tür.

Die meisten Menschen verbinden mit dem Wochenende die Zeit mit mehr Zeit.

Ich muss euch was verraten: Ich kann kein Wochenende.
Andere können nicht stricken, oder nicht schwimmen. Ich kann nicht „Wochenende“. Tja, jetzt ist es raus.

Ich bin auch am Wochenende immer wieder im Büro (hoffentlich lesen das jetzt nicht meine Kunden und rufen mich auch am Samstag und Sonntag an), immer wieder in der Werkstatt und wenn nicht da, dann habe ich Fotojobs, AuPair-Treffen, Kundentermine im Showroom. Und dazwischen koche ich, bügle ich, treibe meine Kidner an o(der in den Wahnsinn), arbeite im Garten, treffe Freunde oder lade sie zum Essen bei uns ein, koche dann wieder, backe, und so weiter.
Äh, ist das irgendwie anders als in der Woche? Ein wenig, aber nicht wirklich.

Uwe meinte dazu, ich solle doch für mich das Wochenende so nennen: „the-other-days“.
Na dann: Ich wünsche euch schöne „the-other-days“!



Donnerstag, 19. April 2012

Entspannung – oder: Was hat das Michelinmännchen mit Harmonie zu tun?


Ist das schön in einem entspannten Land zu verweilen. Nein, nicht Deutschland! Das versteht sich wohl von selbst. Wir sind hier vieles, aber entspannt sind wir leider wirklich nicht, egal wie viel Yoga, Tai-Chi, linksdrehende Milchkulturen, BuddhaBarMusik, und nach Lavendel riechende Feuchtigkeitsmasken wir konsumieren. Es ist uns nicht vergönnt entspannt zu sein.

In Costa Rica endlich fand ich die wahrhaft entspannten Menschen. Ich habe sie ehrlich gesagt eigentlich in Asien erwartet. Umso überraschter war ich, entspannte Menschen in diesem kleinen katholischen Land zu finden.

Vor unserer Reise hörten und lasen wir, dass die Costa Ricaner sehr nett seien. Ja, nett sind die Thais, die Australier und die Norweger auch. Die Costa Ricaner sind mehr als das. Sie sind entspannt, sie fühlen sich wohl, sowohl in ihrer Haut, als auch in ihrer Umgebung. Sie machen keinen misstrauischen Eindruck, sie versuchen einen nicht zu beeindrucken. Sie sind mit sich in Harmonie.

Die durchschnittliche costaricanische Frau ist zu klein für die großen Organe und die Notreserven, die sie in sich trägt. Sie ist aber allerorts eine stolze Verfechterin der engen Radlerhose und des körpernahmen Tops. Um es bildlich darzustellen: Sie sieht aus wie ein freundliches, dunkelhaariges Michelinmännchen. Die Männer: dito.

Und? Wen kratzt das? In Costa Rica NIEMANDEN! Ist das nicht wunderbar? Sie fühlen sich wohl und automatisch fühlt man sich mit ihnen wohl. Man entspannt endlich den eingezogenen Bauch, achtet nicht mehr wie ein Fuchs darauf, ob die Oberarme nicht zu doll am Körper anliegen und somit unvorteilhaft dick aussehen und schenkt seinen Oberschenkeln mal ein freundliches Lächeln.

Ja, Wohlsein ist ansteckend.


Mittwoch, 18. April 2012

Farbcode – oder: Was hat Temperatur mit Farbe zu tun?


Ich habe einen ganz wunderbaren Mann -  den besten. Er ist auch nach 21 Jahren immer noch mein Held. Er hat die schönsten Männerhände, die ich je gesehen habe, einen markanten melierten Fünf-Tage-Bart und, wenn man ihn lang genug starker Sonne aussetzt,  leuchtend goldene Haare.

Aber er hat einen Defekt: Er versteht nichts von der Farbenlehre. Wie? Das findet ihr nebensächlich? Nicht wenn man mit einer Schmuckdesignerin verheiratet ist.

Lenes Art die Welt zu sehen ist stark farbdominiert. Ich habe ein recht passables Gespür für Farbnuancen, Farbkoalitionen und erfreuliche Farbpartnerschaften. Uwe versteht davon nichts.

In den ersten Jahren unserer Beziehung dachte ich, er wolle mich nur foppen und mich absichtlich in Verzweiflung treiben. Doch irgendwann kam ich zu der Erkenntnis, dass sein Gehirn Farben wohl nicht so wichtig findet wie ich.

Er kann noch nicht mal kalte von warmen Farben unterscheiden. Wie? Das fällt euch auch schwer? Aber das ist doch wirklich kinderleicht.

Schaut euch eine Farbe an. Seht ihr einen leichten Schimmer von blau? Eine blaue – vielleicht nur minimal blaue – Aura? Dann ist das eine kalte Farbe. (Typische Vertreter für kalte Farben sind: betongrau ;-)  , fuchsia, bischofslila, mauve, limettengrün, türkis, mint, knallweiss, etc.)

Ihr seht in der Farbe keinen blauen, sonder einen angedeuteten orangenen Schimmer? (Ich nenne es absichtlich orange und nicht gelb, da es mit gelb an sich kompliziert sein kann, denn es gibt auch kalte gelbe Töne…langsam schwant mir, dass Farben zu erklären doch eine heikle Kiste ist.) Zurück zu orangene Aura, sie deutet ganz klar auf eine warme Farbe hin. (Typische Vertreter sind hier: caramel, ocker, safari, camel, pfirsich, ochsenblutrot, etc.) Bei den warmen Farben ist es so, dass man sich am liebsten darin einhüllen würde, weil sie so heimelig sind. Aber Vorsicht! Den meisten Mitteleuropäern stehen warme Farben nicht!
Wie? Ihr könnt keine Aura bei eurem braunen Kaffeebecher sehen? Ihr seht keinen blauen Schimmer auf eurem picken Nagellack? Hoffnungslos. Uwe allerdings wird dafür Verständnis haben.


Dienstag, 17. April 2012

Investitionen – oder: Reisen bildet


Die meisten Eltern, uns eingeschlossen, versuchen ihre Kinder auf das Leben nach dem Auszug aus dem elterlichen Heim vorzubereiten. Die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Worauf bereiten wir die Kinder vor? Wir haben doch keine Ahnung wie die Welt sich zu dem gegebenen Zeitpunkt drehen wird? Können wir es dann überhaupt richtig machen? Können wir aus der heutigen Situation auf die Situation später schließen?
Nun, ich halte mich natürlich für unglaublich weitsichtig, belesen und klug. Ich bin, so wie viele Mütter, die es „gut meinen“, der festen Auffassung, ich könnte den Pulsschlag der Welt dekodieren und heute schon wissen, was meine beiden Töchter in zehn Jahren erwartet. Aus diesem Grund schleifen wir unsere Kinder quer über den Globus, denn: Reisen bildet, erweitert den Horizont und befreit von Ängsten. Bei allem Spaß ist es mir damit eigentlich wirklich ernst. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wenn wir unseren Kindern zeigen, dass der Globus eigentlich recht überschaubar groß ist und dass es auf jeder Seite vom Äquator Menschen gibt, die essen, schlafen und auf Toilette gehen, sie für ihre berufliche Zukunft viel besser gewappnet sind. Ich hoffe, dass wir ihnen so die Angst nehmen, wenn nötig die deutsche Sprachregion zu verlassen und einen Traumjob in einer anderen Zeitzone anzunehmen. Ich hoffe, dass es in ihrem Leben darum gehen wird WAS sie machen und ob es sie ZUFRIEDEN macht und nicht darum WO sie es machen. Die Weltkarte bietet doch viel mehr Jobangebote als die Landkarte der Bundesländer.
Und so ziehen wir in unseren Urlaubszeiten unsere Töchter mit uns auf Vulkane, auf Dünen, auf Tempel und auf Wolkenkratzer; wir fliegen Meilen, fahren Kilometer und laufen Stunden unter kindlichem Protest; sind als Eltern hochmotiviert, ständig in Bewegung, wollen alles zeigen und greifen ohne Zögern mit der festen Gewissheit in die Tasche, dies sei genau die richtige Finanz-Anlage - die Zukunft unserer Kinder im Visier. Und was sagt die Brut dazu? „Mensch, Mama, ich will doch nur ein paar Tage nichts tun in den Ferien. Einfach chillen!“