Freitag, 15. Juni 2012

Telepathie – oder: Segen und Fluch


Ist schon komisch, dass mir fast immer am Freitag etwas für meinen blog einfällt. Oder etwas passiert, was mich zum nachdenken bringt. Eben hatte ich wieder mal eine Gedankenübertragung. Meine Madagassische Partnerin sollte mir bereits gestern eine Kopie von einem Pass von unserer Bewerberin schicken. (Dies brauche ich, um die Einladungsdokumente für dieses AuPair erstellen zu können.) Ich bin also vertieft in meine Arbeit und plötzlich, ohne Zusammenhang, einfach so aus dem Nichts, fällt mir ein: Die Kopie vom Pass habe ich noch nicht bekommen! Also schnell mal schreiben. Email fertig, klick auf senden, in dem Moment kommt eine Email mit der Passkopie von meiner Partnerin rein. So etwas passiert mir mit Emails, mit Telefonaten und mit SMS. Ständig.
Es funktioniert sowohl national als auch rund um den Globus! Innerhalb von Sekunden! Lichtgeschwindigkeit!
Der Mensch ist ein ganz hoch entwickeltes Tier, das von seinen Fähigkeiten leider nicht immer Gebrauch macht. Ich  bin mir SICHER dass wir ALLE zur Telepathie/Gedankenübertragung fähig sind. Bei mir ist das JEDEN lieben Tag auf dem Programm. Das ist nicht immer schön!!! Manchmal versuche ich krampfhaft nicht an manche Menschen zu denken, nur damit sie mich nicht innerhalb der nächsten Stunde anrufen, oder mir schreiben. Wie oft habe ich Emails bereits angefangen zu schreiben und in dem Moment, in dem ich die Email abschicke erhalte ich eine Email von demjenigen selbst. Ich komme mir wirklich schon blöd dabei vor, wenn ich dann immer zurückschreiben muss: „Das war Gedankenübertragung, ich habe Ihnen gerade eine Mail geschrieben.“ Glaubt doch auf Dauer kein Mensch!

Meist kann ich mir aber sicher sein, dass wenn ich ohne Zusammenhang an jemanden Denke, dass dieser jemand gerade an mich denkt.

Wenn ich richtig gut drauf bin, kann ich fühlen, ob dieser jener nett an mich denkt, genervt von mir ist, mich vermisst, etwas von mir haben will, auf etwas von mir wartet und so weiter.

Und jetzt frage ich mich: Ist es da verwunderlich, dass ich Migräne bekomme? Bei all den Menschen, und Gedanken, Energieströmen und Schwingungen die mich telepathisch erreichen?

Also noch einmal zurück zu meiner Ansicht, dass alle Menschen telepathische Fähigkeiten haben: Ich bin mir sicher, dass dies der Fall ist. Jedoch haben manche von uns Schutzmembranen eingebaut, die sie vor zu viel Information schützen. Menschen wie ich, haben diese Schutzmembran nicht.

Segen und Fluch zugleich.




Freitag, 1. Juni 2012

Peinlich – oder: Jeder fühlt anders


Peinlich war mir, als meine jüngste Tochter vor einigen Jahren zusammen mit mir an die Tür kam. Unser Handwerker hat geklingelt. Er ist extrem groß und extrem breit. Clio sagte zu ihm statt einer Begrüßung: „Bist du aber dick!“ Für so etwas kann man sich nur entschuldigen und hoffen, dass es bald vorbei geht.

Peinlich war mir neulich am Telefon, als ein neuer Kunde anrief und ich ihn fälschlicherweise für eine Frau gehalten und auch so angesprochen habe. Es war ein Mann. Der Mann sollte schleunigst etwas für seinen Testosteronspiegel tun.

Peinlich war mir als wieder einmal jemand der Auffassung war, dass die AuPairs doch froh sein sollten nach Deutschland kommen zu können und so schön zu wohnen und zu leben. Das hätten die armen Mädchen ja nicht zu Hause. Dieser jener hat leider vergessen, dass die Zeiten sich gewandelt haben und dass nicht jedes AuPair, das aus Afrika oder Asien anfliegt, aus dem Slum oder dem Busch kommt. Dieser jener hatte nicht mitbekommen, dass Deutschland seit Jahren in einer selbstverschuldeten Stagnationsphase ist und alle anderen dabei sind uns zu überholen. Vor allem hatte dieser jener etwas rassische Ansichten, die man nicht haben sollte, wenn man sich junge Menschen aus dem Ausland ins Haus einlädt.

Peinlich war mir, als ich meiner Partnerin aus Indonesien erklären musste, dass es tatsächlich der Wahrheit entspricht, dass meine Kunden (junge Familie mit 4 Kindern und gut ausgebildeten Eltern) KEINEN Internetzugang zu Hause haben. Tut mir leid, aber so etwas ist mir peinlich.

Peinlich war mir, als wir vor einiger Zeit Gäste hatten, die alles aufgegessen haben. Ich habe slawisches Blut und das schlimmste was den Slaven passieren kann, ist, dass Gäste nicht ausreichend bewirtet werden. Nur ein Gast, der zufrieden und mit vollem Bauch aus der Tür kullert und immer noch viel auf dem Tisch übrig gelassen hat, macht mich zufrieden. Ich will, dass die Frauen ihre Hosenknöpfe unauffällig öffnen und die Männer das Rülpsen unterdrücken müssen. Wenn Gäste alles aufgegessen haben und nichts übriggeblieben ist, sterbe ich 1000 Tode, weil ich das Gefühl habe, dass sie bei mir hungern müssen.

Allerdings ist mir nicht peinlich: laut zu lachen, mit Lockenwicklern Auto zu fahren, auf dem Parkplatz die Fingernägel zu lackieren, nicht regelmäßig zum Frisör zu gehen, Tippfehler in Texten zu hinterlassen, einen unkrautverseuchten Vorgarten zu haben, ein Schlammbespritztes Auto zu fahren, literweise Kondensmilch zu trinken,….

Jede fühlt anders – ist das nicht aufregend?!

Freitag, 25. Mai 2012

Frauenfreundschaft – oder: meine gesammelten Lebensweisheiten ;-)


Ich möchte meinen Töchtern eines auf den Weg geben, eine Tatsache, die keine Frau aus den Augen verlieren sollte: Frauen sind für uns Frauen im Leben wichtiger als Männer. Nur Frauen können unser Seelenleben wirklich ausreichend ausfüllen. Für Männer empfinden wir Leidenschaft, Feuer, Aggression, Anspannung und Entspannung. Wir suchen nach dem Richtigen zur Fortpflanzung, einem bei dem wir es uns vorstellen können, dass er das Nest bewacht und beschützt. Und die Frauen in unserem Leben, sie füllen alle übriggebliebenen Lücken aus. Sie sind der Fächer in unserer Hand. Ohne Frauenfreundschaften ist das Leben einer Frau einspurig.

Die Hohe Kunst des Lebens ist das richtige Maß zu finden: die genau richtige Anzahl von Frauenfreundschaften, damit es der Seele gut geht. Eine Frau ohne Freundinnen ist eine arme Seele.

Ich kenne Frauen, die keine echten Freundinnen haben. Sie sind verbittert, kritisch und einsam (leider merken sie es nicht). Sie haben niemanden, der ihnen mal Gegenwind macht, der sie wieder in die richtige Richtung justiert. Sie leben in einer Scheinwelt. Sie denken, dass das was sie tun das einzig Richtige sei und alle anderen seien die Idioten.

Mir sind meine Freundinnen sehr wichtig. Jede unterschiedlich, jede ganz anders und individuell. Jede ein Teil meines Fächers. Jede von Ihnen lässt eine andere Saite an mir erklingen. Sie dürfen und sollen mich kritisieren (was Uwe nicht darf, Gott bewahre!), sie sind in der Werkstatt meine Musen, sie sind meine Fotomodelle, sie sind meine Seelentröster, sie sind meine Ideenschmiede, sie sind meine Lebensbegleiter, sie sind meine Entscheidungshelfer, sie sind die, die mich verstehen. Sie sind die, die verstehen und akzeptieren, dass ich komplex bin, dass ich nicht genug Zeit habe, um all das zu machen, was ich möchte, die es nicht erschreckt, dass ich immer mehr will, die meine Launen und meine Migränen klaglos aushalten, die keine Eifersucht mir gegenüber hegen.

Die Eifersucht ist eine Charaktereigenschaft, die nicht meine Natur ist. Umso mehr und überraschend trifft sie mich, wenn andere sie empfinden. Sie kommt wie aus dem Hinterhalt und bohrt mir das Messer in den Rücken. Aber diese Verletzungen muss ich bei meinen Freundinnen nicht fürchten. Denn ich bin weise geworden über die Jahre  in der Wahl „meiner Frauen“. Wenn man so wie ich mit fast 40 immer noch  naiv durch die Welt tingelt, muss man eine gewisse Weisheit entwickeln, um nicht gebrochen zu werden.

„Meine Frauen“ sind die Besten. Sie alle sind der Beweis dafür, dass Stutenbissigkeit nicht biologisch bei uns angelegt ist.

Dienstag, 8. Mai 2012

AuPair-Aktuell – oder: Mission impossible


Es ist 15:45 Uhr. Eigelicht türmt sich mein Schreibtisch hier in der Agentur unter der Last der Schmierzettel, Akten und unfertiger Dokumente. Meine Kinder kommen gleich von der Schule nach Hause und sind startklar für den Geburtstagsmarathon: morgen Clio, übermorgen Clara. Jedes Jahr eine Ausnahme-Woche im Hause Borgers.

Aber ich muss das jetzt mal los werden.

Was ist nur in der Zeit meines Urlaubs (April) hier in Deutschland passiert? Sind die Menschen hier mit einer Art Nervengas vergiftete worden, so dass sie jetzt ihre Beziehungen untereinader vergiften? Leute, es ist Mai!!! Das ist nicht der typische Monat für soooo viele Kündigungen und Wechsel im AuPair-Geschäft. Noch nie - seit 10 Jahren nicht - hatte ich so viele Gastfamilien und AuPairs die miteinander unzufrieden sind. Das erschreckende ist, dass mir scheint, dass sie sich nicht verstehen! Nein, das hat nichts mit den Sprachkenntnissen zu tun. Sie verstehen sich nicht, weil sie sich nicht zuhören, sich nicht die Zeit nehmen zum Zuhören, sie aus Bequemlichkeit auf Empathie verzichten.

Die Gastfamilie von heute will ein AuPair, dass perfekt funktioniert (verständlich), alles sofort versteht (unmöglich), mit den Kindern auf einer Wellenlänge ist (was oft selbst die Mütter nicht schaffen), gleichzeitig aber den Kindern Grenzen setzt (was fast immer die eigenen Mütter nicht schaffen [ich denke da nur an meine Freundin Sandra, deren Fotostudio regelmäßig von kleinen Prinzessinnen und Prinzen auseinandergenommen wird und die Mutter sieht beiläufig lächelnd  drüber hinweg]). Sie wollen ein AuPair, das Wäsche waschen kann (ist doch klar, dass es Wäsche für 30 Grad gibt, für 40, 50, 90, kalt und handwarm, mit Perwoll und mit Bleiche, linksgedreht und rechtsgedreht,…), auf Induktion am Herd reagiert, und die preußische Pünktlichkeit in ihrem asiatischen Blut hat.

Die AuPairs haben schon bei Ankunft am Frankfurter Flughafen die Definition von „AuPair“ vergessen, sowie die Deutschkenntnisse, und mit dem ersten Schluck des deutschen Wassers ihre Anforderungen in erschreckende Höhen geschraubt: Apartment in der City, W-Lan, Laptop, Intensivkurs, Taxiservice,… Die Kinder sind ihnen zu agil, zu frech, zu laut, die Gasteltern zu selten da, zu oft da, das Klima zu kalt, die Straßen zu sauber, die Wege zu weit, die Uhren zu präsent, die Arbeit zu viel.

Übertrieben? Ne, leider nicht.

Mein Job ist es: Beide Seiten wieder runterzufahren und sie miteinander zu verbinden. Härter denn je.

(Auf dem Foto [analog] seht ihr eines unser damaligen AuPairs Lucie – sie hat mich in den Wahnsinn getrieben ;-), aber sie war eine der Besten für meine (damals nur eine) Tochter. Und darum geht es doch, es geht um unsere Kinder, und nicht um unsere persönlichen Erwartungen)

Freitag, 4. Mai 2012

Wissensdurst – oder: Fragen über Fragen


Muss man vor Gentechnik Angst haben? Was hat Angst als Folge? Ist es nicht ratsamer seine Kenntnisse zu Verbessern statt in einer Angststarre zu verweilen? Was halte ich von synthetischer Biologie?

Ist es erstrebenswert in einem Haus zu wohnen, das so rein ist, dass man vom Boden essen kann? Ist klinisch rein zu leben erstrebenswert? Ist weiß klinisch rein? Ist es phantasielos sich rein weiß zu kleiden? Ist es sonderlich zehn Jahre nur weiße Bettwäsche zu benutzen?

Ist es zu früh einer 8jährigen einen Laptop zu geben? Muss eine 13jährige ein iPad haben? Sind alle anderen Eltern besser? Dürfen alle anderen Kinder tatsächlich länger weg bleiben? Ist erziehen heute schwerer als früher? Ist alles früher besser gewesen als heute? Hat die ältere Generation vielleicht einfach nur den ganz normalen Erinnerungsprozess durchgemacht und vieles Negative vergessen?

Wieso kann ich mir nichts Negatives merken? Wieso merke ich mir alles als Fotos?

Wieso weigere ich mich männliches Vokabular zu benutzen, wenn ich mit Handwerkern spreche? Warum mache ich das, obwohl ich weiss, dass sie mich dann noch weniger verstehen? Wieso lebt bei mir die Wand und der Tisch fühlt sich traurig? Wieso sage ich Dinge zum Fliesenleger wie, dass die falsch verlegten Fliesen den Betrachter stechen? Warum hat bei mir die Sahne im Tee Ecken, die Kondensmilch im Tee ist aber rund?

Warum sind Ansammlungen von mehr als 8 Personen für mich anstrengend? Muss ich mir da Sorgen machen? Bin ich eigentlich ein Eremit?

Wie schafft es UPS immer freundliche Mitarbeiter zu haben obwohl sie immer einen Overall in der Farbe vom frischen Durchfall tragen müssen?

Warum ist nie Milch im Kühlschrank, wenn die Kinder Pfannkuchen haben wollen?

Wird das Wetter am Wochenende schön? Kann ich dann Rasen mähen?
                                                                                                                   

In diesem Sinne, euch allen ein schönes Wochenende!


Freitag, 20. April 2012

Wochenende – oder: Ich kann nicht anders


Das traditionelle Wochenende, an dem man nicht seiner beruflichen Arbeit nachgeht, kenne ich schon ungefähr 2 Jahren nicht mehr. Das Wochenende ist bei mir eine Zeit, in der die Kinder im Haus sind, und nicht in der Schule, und mein Mann das Bad besetzt, obwohl er weiß, dass ich eine Kinderblase habe. Diese drei haben also ein mehr oder weniger traditionelles Wochenende. Ich irgendwie nicht.

Neulich habe ich mit Uwe darüber gesprochen. Es ging darum, wie schnell die Zeit vergeht und dass ja bereits Donnerstag sei und das Wochenende vor der Tür.

Die meisten Menschen verbinden mit dem Wochenende die Zeit mit mehr Zeit.

Ich muss euch was verraten: Ich kann kein Wochenende.
Andere können nicht stricken, oder nicht schwimmen. Ich kann nicht „Wochenende“. Tja, jetzt ist es raus.

Ich bin auch am Wochenende immer wieder im Büro (hoffentlich lesen das jetzt nicht meine Kunden und rufen mich auch am Samstag und Sonntag an), immer wieder in der Werkstatt und wenn nicht da, dann habe ich Fotojobs, AuPair-Treffen, Kundentermine im Showroom. Und dazwischen koche ich, bügle ich, treibe meine Kidner an o(der in den Wahnsinn), arbeite im Garten, treffe Freunde oder lade sie zum Essen bei uns ein, koche dann wieder, backe, und so weiter.
Äh, ist das irgendwie anders als in der Woche? Ein wenig, aber nicht wirklich.

Uwe meinte dazu, ich solle doch für mich das Wochenende so nennen: „the-other-days“.
Na dann: Ich wünsche euch schöne „the-other-days“!



Donnerstag, 19. April 2012

Entspannung – oder: Was hat das Michelinmännchen mit Harmonie zu tun?


Ist das schön in einem entspannten Land zu verweilen. Nein, nicht Deutschland! Das versteht sich wohl von selbst. Wir sind hier vieles, aber entspannt sind wir leider wirklich nicht, egal wie viel Yoga, Tai-Chi, linksdrehende Milchkulturen, BuddhaBarMusik, und nach Lavendel riechende Feuchtigkeitsmasken wir konsumieren. Es ist uns nicht vergönnt entspannt zu sein.

In Costa Rica endlich fand ich die wahrhaft entspannten Menschen. Ich habe sie ehrlich gesagt eigentlich in Asien erwartet. Umso überraschter war ich, entspannte Menschen in diesem kleinen katholischen Land zu finden.

Vor unserer Reise hörten und lasen wir, dass die Costa Ricaner sehr nett seien. Ja, nett sind die Thais, die Australier und die Norweger auch. Die Costa Ricaner sind mehr als das. Sie sind entspannt, sie fühlen sich wohl, sowohl in ihrer Haut, als auch in ihrer Umgebung. Sie machen keinen misstrauischen Eindruck, sie versuchen einen nicht zu beeindrucken. Sie sind mit sich in Harmonie.

Die durchschnittliche costaricanische Frau ist zu klein für die großen Organe und die Notreserven, die sie in sich trägt. Sie ist aber allerorts eine stolze Verfechterin der engen Radlerhose und des körpernahmen Tops. Um es bildlich darzustellen: Sie sieht aus wie ein freundliches, dunkelhaariges Michelinmännchen. Die Männer: dito.

Und? Wen kratzt das? In Costa Rica NIEMANDEN! Ist das nicht wunderbar? Sie fühlen sich wohl und automatisch fühlt man sich mit ihnen wohl. Man entspannt endlich den eingezogenen Bauch, achtet nicht mehr wie ein Fuchs darauf, ob die Oberarme nicht zu doll am Körper anliegen und somit unvorteilhaft dick aussehen und schenkt seinen Oberschenkeln mal ein freundliches Lächeln.

Ja, Wohlsein ist ansteckend.


Mittwoch, 18. April 2012

Farbcode – oder: Was hat Temperatur mit Farbe zu tun?


Ich habe einen ganz wunderbaren Mann -  den besten. Er ist auch nach 21 Jahren immer noch mein Held. Er hat die schönsten Männerhände, die ich je gesehen habe, einen markanten melierten Fünf-Tage-Bart und, wenn man ihn lang genug starker Sonne aussetzt,  leuchtend goldene Haare.

Aber er hat einen Defekt: Er versteht nichts von der Farbenlehre. Wie? Das findet ihr nebensächlich? Nicht wenn man mit einer Schmuckdesignerin verheiratet ist.

Lenes Art die Welt zu sehen ist stark farbdominiert. Ich habe ein recht passables Gespür für Farbnuancen, Farbkoalitionen und erfreuliche Farbpartnerschaften. Uwe versteht davon nichts.

In den ersten Jahren unserer Beziehung dachte ich, er wolle mich nur foppen und mich absichtlich in Verzweiflung treiben. Doch irgendwann kam ich zu der Erkenntnis, dass sein Gehirn Farben wohl nicht so wichtig findet wie ich.

Er kann noch nicht mal kalte von warmen Farben unterscheiden. Wie? Das fällt euch auch schwer? Aber das ist doch wirklich kinderleicht.

Schaut euch eine Farbe an. Seht ihr einen leichten Schimmer von blau? Eine blaue – vielleicht nur minimal blaue – Aura? Dann ist das eine kalte Farbe. (Typische Vertreter für kalte Farben sind: betongrau ;-)  , fuchsia, bischofslila, mauve, limettengrün, türkis, mint, knallweiss, etc.)

Ihr seht in der Farbe keinen blauen, sonder einen angedeuteten orangenen Schimmer? (Ich nenne es absichtlich orange und nicht gelb, da es mit gelb an sich kompliziert sein kann, denn es gibt auch kalte gelbe Töne…langsam schwant mir, dass Farben zu erklären doch eine heikle Kiste ist.) Zurück zu orangene Aura, sie deutet ganz klar auf eine warme Farbe hin. (Typische Vertreter sind hier: caramel, ocker, safari, camel, pfirsich, ochsenblutrot, etc.) Bei den warmen Farben ist es so, dass man sich am liebsten darin einhüllen würde, weil sie so heimelig sind. Aber Vorsicht! Den meisten Mitteleuropäern stehen warme Farben nicht!
Wie? Ihr könnt keine Aura bei eurem braunen Kaffeebecher sehen? Ihr seht keinen blauen Schimmer auf eurem picken Nagellack? Hoffnungslos. Uwe allerdings wird dafür Verständnis haben.


Dienstag, 17. April 2012

Investitionen – oder: Reisen bildet


Die meisten Eltern, uns eingeschlossen, versuchen ihre Kinder auf das Leben nach dem Auszug aus dem elterlichen Heim vorzubereiten. Die einen mehr, die anderen weniger erfolgreich. Worauf bereiten wir die Kinder vor? Wir haben doch keine Ahnung wie die Welt sich zu dem gegebenen Zeitpunkt drehen wird? Können wir es dann überhaupt richtig machen? Können wir aus der heutigen Situation auf die Situation später schließen?
Nun, ich halte mich natürlich für unglaublich weitsichtig, belesen und klug. Ich bin, so wie viele Mütter, die es „gut meinen“, der festen Auffassung, ich könnte den Pulsschlag der Welt dekodieren und heute schon wissen, was meine beiden Töchter in zehn Jahren erwartet. Aus diesem Grund schleifen wir unsere Kinder quer über den Globus, denn: Reisen bildet, erweitert den Horizont und befreit von Ängsten. Bei allem Spaß ist es mir damit eigentlich wirklich ernst. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass wenn wir unseren Kindern zeigen, dass der Globus eigentlich recht überschaubar groß ist und dass es auf jeder Seite vom Äquator Menschen gibt, die essen, schlafen und auf Toilette gehen, sie für ihre berufliche Zukunft viel besser gewappnet sind. Ich hoffe, dass wir ihnen so die Angst nehmen, wenn nötig die deutsche Sprachregion zu verlassen und einen Traumjob in einer anderen Zeitzone anzunehmen. Ich hoffe, dass es in ihrem Leben darum gehen wird WAS sie machen und ob es sie ZUFRIEDEN macht und nicht darum WO sie es machen. Die Weltkarte bietet doch viel mehr Jobangebote als die Landkarte der Bundesländer.
Und so ziehen wir in unseren Urlaubszeiten unsere Töchter mit uns auf Vulkane, auf Dünen, auf Tempel und auf Wolkenkratzer; wir fliegen Meilen, fahren Kilometer und laufen Stunden unter kindlichem Protest; sind als Eltern hochmotiviert, ständig in Bewegung, wollen alles zeigen und greifen ohne Zögern mit der festen Gewissheit in die Tasche, dies sei genau die richtige Finanz-Anlage - die Zukunft unserer Kinder im Visier. Und was sagt die Brut dazu? „Mensch, Mama, ich will doch nur ein paar Tage nichts tun in den Ferien. Einfach chillen!“